Rheinische Post, 10.7.2009

Ratingen

Moderne Kunst aus Asien

VON MELANIE MEYER

Die Galerie "art73" zeigt derzeit abstrakte asiatische Malerei. Das Galeristen- und Sammlerehepaar Wallburga und Peter Guretzky präsentiert bis zum 22. Juli seine privaten Schätze in einer Überblicksausstellung.

Kunstliebhaber aus dem Westen wissen wenig über moderne asiatische Kunst. Die Motive und teilweise auch die Techniken des Kulturkreises sind dem europäischen Betrachter fremd. Einen Grund hierfür sieht das Ratinger Galeristen- und Sammlerehepaar Wallburga und Peter von Guretzky darin, dass abstrakte asiatische Malerei bis vor ein paar Jahren "ein Widerspruch in sich gewesen ist". Seit zwei Wochen haben die beiden Sammler ihre privaten Schätze ausgepackt und präsentieren in der Galerie "art73" an der Düsseldorfer Straße eine Überblicksausstellung mit Werken aus China, Vietnam, Japan und Indien.

Kreativität selten gewünscht

Ihre Leidenschaft für Asien entspringe einem einjährigen Aufenthalt in Hong Kong und den Geschäftsbeziehungen ihres Mannes, erklärt Wallburga Guretzky. Seit Jahren beobachten sie den Markt, jedoch ohne wirtschaftliche Aspekte. Ihre Sammlerleidenschaft sei geprägt von Neugier und Spontanität, sagt die Sammlerin und beginnt mit dem Rundgang durch ihr Haus.

"An den Malschulen in Asien wurde von den Studenten gefordert, vor allem dem Original alter Meister ganz nahe zu kommen", so Guretzky. Kreativität sei selten gewünscht gewesen, denn es sei nicht um den persönlichen Stil gegangen, sondern darum, eine Schultradition fortzuführen. Lediglich Vietnam bilde eine Ausnahme, denn dort sei 1925 mit der Gründung der "Ecole des Beaux-Arts de l'Indochine" in Hanoi ein Grundstein für die moderne Malerei gelegt worden.

Enormer Nachholbedarf

In China spielte bis vor ein paar Jahren die politische Zensur über die Art der Darstellung immer noch eine wichtige Rolle. "Erst lange nach der wirtschaftlichen Öffnung mit der einhergehenden Anerkennung zeitgenössischer Künstler im internationalen Kunstmarkt erlebten chinesische Künstler einen eindrucksvollen Erfolg und das Land einen enormen Nachholbedarf in Sachen Kunst, der die Preise in ungewöhnliche Höhen trieb", so die Galeristin, die jedes der gezeigten Werke beschreibt und auf die ganz unterschiedlichen Techniken eingeht. Die klassischen Lackmalereien mit Goldauflagen auf hölzernem Untergrund und Eierschalen-Einlegearbeiten sind ebenso vertreten wie Aquarellmalerei oder surreale Acrylspachteltechnik.

Unter den ausgestellten Arbeiten finden sich neben jungen, unbekannten Talenten auch bekannte Namen wie der des chinesischen Malers Ethan Liu. Die gezeigten Werke seien in den vergangenen drei Jahren entstanden, so Guretzky, die mit dem unerwarteten Erfolg der aktuellen Ausstellung sehr zufrieden ist.


Rheinische Post, 30.4.2009

Ratingen

Fundstücke aus dem Keller

VON MELANIE MEYER

Ratingen (RP) In der Galerie "art73" wurde eine Ausstellung mit Werken von Martin Goppelsröder, ehemaliger Professor für "Kunst und Gestaltung" an der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg, eröffnet.

Martin Goppelsröder ist in der Kunstszene Nordrhein-Westfalens alles andere als ein Unbekannter. Der ehemalige Professor für "Kunst und Gestaltung" an der Gerhard-Mercator-Universität zeigt zum zweiten Mal in der Galerie "art73", diesmal in einer Einzelausstellung, Federzeichnungen und Gouachen. Die Werkschau ist eine Retroperspektive der vergangenen 40 Jahre seines Schaffens.

"Eigentlich wollte er diese Arbeiten gar nicht zeigen", erzählt Galerist Peter von Guretzky-Cornitz bei der Vernissage. Im Keller des Künstlers habe er die Stücke gefunden, die in ihrer Gesamtheit die Vielfältigkeit Goppelsröders zeigen. "Ich habe schon von vielen gehört, dass sie nicht glauben können, dass all dies Arbeiten aus ein und der selben Hand stammen", so der Professor, der an diesem Abend nicht müde wurde, über seine Auffassung von Kunst, Abstraktion und den Wunsch eines jeden Künstlers das Chaos zu ordnen zu sprechen.

Die Zeichnungen und Gouachen aus den 1970er bis 1990er Jahren hätten unterschiedlicher nicht sein könnten. Während sich ein Teil der Tusche- und Bleistiftarbeiten mit Strukturen, Form und Licht beschäftigt, zeigen andere Abstraktionen von Linien und Köpern. Die Gouachen dagegen beschäftigen sich mit strengen Formen und transparenten Überlagerungen, die scheinbar das Chaos ordnen. Und doch haben die Arbeiten alle eins gemeinsam, den Zufall, den Goppelsröder aufnimmt und immer wieder in eine feste Struktur bringt. Sehr deutlich wird diese Vorgehensweise an den Federzeichnungen, die aus filigranen Schraffuren bestehen. Bei diesen Werken geht er wie ein Archäologe vor, jedoch nimmt er nicht mit jedem Pinselstrich etwas weg, sondern fügt mit jedem Strich etwas hinzu. "Zeile für Zeile entstehen Formen durch Überlagerungen, die eher zufällig sind", sagt er. Hier gelte es, die Reaktion des Strichs aufzunehmen. Durch diese Vorgehensweise entstehen kleine Kalligraphien in einem großen Rhythmus, der geprägt ist von Licht und Schatten.




Rheinische Post, 12.2.2009

Ratingen

Das Revier im Fokus

VON MELANIE MEYER
  Manfred Vollmer lebt seit mehr als 40 Jahren in Essen. Den Pott und seine Menschen hat er lieben gelernt – das kann man sehen, auf seinen Bildern. Bis zum 13. März stellt die Galerie "art73" die Werke des Fotokünstlers aus. RP-Foto: Achim Blazy

Ratingen (RP) Manfred Vollmer gilt als Chronist des Ruhrgebiets. Die Galerie "art 73" zeigt unter dem Titel "Sein Revier ist das Revier" ausgewählte Arbeiten des renommierten Essener Fotografen.

Manfred Vollmer gilt als Chronist des Ruhrgebiets. Der renommierte Essener Fotograf dokumentiert seit mehr als 30 Jahren die Arbeits- und Lebenswelt sowie den Strukturwandel des Ruhrpotts. Unter dem Titel "Sein Revier ist das Revier" zeigt die Galerie "art 73" bis zum 13. März ausgewählte Fotos und Serien des Fotojournalisten und Künstlers, der seine Heimat und ihre Menschen in den Focus stellt.

Obwohl es sich bei den Fotografien lediglich um Momentaufnahmen handelt, erzählen die großformatigen Abzüge Geschichten und Geschichte. Vollmer dokumentiert in seinen ausdrucksstarken Portraits und Bildern des Ruhrgebiets die Veränderungen in der Stahl- und Kohleregion. Sein Thema reizt und interessiert, weil er in seinen Arbeiten Thesen aufstellt, mit Vorurteilen aufräumt und unterschwellig fragt: "Ruhrgebiet, wie geht es dir?" Vollmer sagt selbst: "Mein Revier ist das Revier". Er lebt seit mehr als 40 Jahren in Essen und hat den Pott und seine Menschen lieben gelernt.

Vollmer wuchs bis 1965 in Emmendingen auf und hegte schon als Schüler den Wunsch, Fotograf zu werden. 1965 verschlug es ihn für ein Fotografie-Studium nach Essen an die Folkwangschule. 1970 machte er dort sein Examen und erhielt für seine Arbeit "Kirchenfeste in Süditalien" den Folkwangpreis. Die Kunden des freien Fotografen sind heute namhafte Tageszeitungen und Magazine.

In allen seinen Arbeiten und Reportagen wird deutlich, dass ihm fotografieren ein Bedürfnis ist. "Ich habe einige Arbeiten meiner Abschlussarbeit mitgebracht. Und ich war überrascht, was für wahnsinnige Momente ich ohne moderne Technik, mit wenigen Filmen in der Tasche, festgehalten habe", sagt er bescheiden.

Heute fotografiert Vollmer digital, doch die Umstellung. sagt er, sei ihm nicht leicht gefallen. Jedoch sei die Digitalkamera ein Zugewinn, denn man habe den Kopf nicht mehr voller Technik und man könne sich mehr auf das Motiv konzentrieren. Seine alte Leica hat er trotzdem nicht weggelegt, denn das Geräusch des zurückschnellenden Spannhebels empfindet er heute noch als Genuss.

Mit der neuen Ausstellung "Sein Revier ist das Revier" ist es dem Galeristenehepaar Wallburga und Peter Guretzky erneut gelungen, eine sehr hochwertige Bilderschau, die Werke von Menschen und Orten zeigt, die Geschichte und Zeitgeist spüren lassen, nach Ratingen zu holen.

 

Persönlich

Manfed Vollmer wurde 1944 in Emmendingen geboren. 1965 bis 1970 studierte er Fotografie an der Folkwangschule in Essen. Seitdem ist er freiberuflicher Fotojournalist. 1979 erhielt er den ersten Preis beim "World Press Fotowettbewerb" in der Kategorie "News, Picture, Stories" mit der Serie über die Ölpest in der Bretagne 1978. Er lebt heute in Essen. Sein Themenschwerpunkt ist das Ruhrgebiet mit allen seinen Facetten. Die Ausstellung in der Galerie "art 73", Düsseldorfer Straße 73, kann noch bis zum 12. März besucht werden. Finissage ist am Freitag, 13. März, 19 Uhr. Vollmer stellt dann seinen neuen Fotoband "Ruhrgebiet in Echt" vor.


 


 

 


Rheinische Post, 18.4.2008

Ratingen

Abstrakte Variationen

Die „Goldberg-Variationen“ Johann Sebastian Bachs fordern von ihrem Spieler große Virtuosität, denn sie gelten als eine der schwierigsten Klavierkompositionen. Inspiriert von den einzelnen Sätzen begann die Künstlerin Regina Reim 2004, die 30 Variationen abstrakt aufs Papier zu bringen. In diesem Jahr beendete sie die Serie. Ihre Farbradierungen zeichnen sich durch ihre Farbkontraste und Dynamik aus. Zu sehen ist die Ausstellung in der Galerie „art 73“ bis Freitag, 9. Mai.

Die Vernissage wurde mit Auszügen am Klavier des Bach‘schen Werks eröffnet. Die Gäste sowie die Pianistin Sabine Roderburg zeigten sich beeindruckt von den Übereinstimmungen der Musik und der künstlerischen Umsetzung Reims. Ihre Werke würden den Rhythmus, das Maßverhältnis und die Ordnung der Musik dynamisch und farbintensiv wiedergeben, so der Galerist Peter von Gurtezky.

Fantasie herausfordern

Regina Reim studierte von 1988 bis 1992 freie Malerei an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz bei Professor Klaus Jürgen Fischer. Seitdem stellte sie ihre Arbeiten in zahlreichen Ausstellungen vor. Besonders interessant ist der technische Schwerpunkt ihrer Tiefdrucke, aber auch der bildenden Malerei. Sie entziehe sich bewusst einer gegenständlichen Bildsprache zugunsten eines „abstrakten Surrealismus“, der den Betrachter auf sich selbst verweise, und seine Fantasie sowie Reflexion herausfordere, sagte Reims selbst über ihre Werke.

Aber auch ihre großformatige Acrylmalerei fand großen Anklang bei den Besuchern. Der lose, rasche Farbauftrag in Kombination mit zerlaufender, sich vermischender flüssiger Farbe, erinnerte an „Action Painting“. Jedoch hätte die Arbeitstechnik der Künstlerin nur bedingt mit dieser Arbeitsweise zu tun, da sie den Prozess kontrolliere. Zu sehen sei das an den einzelnen Formen, die erhalten blieben. Auch in diesen Arbeiten findet sich ein genaues Verhältnis von ihrer fließenden Ordnung und einem faszinierenden Farbrhythmus wieder.

Die Galerie „art 73“ auf der Düsseldorfer Straße 73 widmet sich der Gegenwartskunst. Dabei stehen sowohl Malerei und Fotografie, als auch Skulpturen im Fokus. Die Galeristin Walburga von Guretzky-Cornitz und ihr Ehemann Peter zeigten bereits Werke von Rolf Hegetusch, Thomas Mack, Jonas Anton Hasenknoedel, Irene Rietdorf-Soutter oder Professor Martin Goppelsröder. Die neue Ausstellung von Regina Reim kann bis Freitag, 9. Mai, mittwochs bis freitags jeweils von 15.30 bis 18:30 Uhr sowie samstags von 14 bis 18 Uhr besucht werden.

Informationen unter www.art73.de.



Rheinische Post, 14.3.2008

Ratingen

Eine Hommage an den Buntstift

„So viele Gäste haben wir noch nie zu einer Vernissage begrüßt“, sagte Walburga von Guretzky. Das Galeristenehepaar der „art73“ präsentiert mit ihrer neuen Ausstellung einen Beitrag zur aktuellen Gegenwartskunst. Vor allem die fast fotorealistischen Buntstiftarbeiten von Sandra Neuhaus bestechen durch eine unglaubliche Farbigkeit und ihr Spiel mit Licht und Schatten. Das Kontrastprogramm bietet Jennifer Schulz im Gartenraum. Aufgefallen seien die Studentinnen der Kunstakademie Düsseldorf dem Galeristenehepaar auf dem Rundgang der Akademie, so von Guretzky.

Kopfzerbrechen hätten ihnen nur die Formate von Neuhaus gemacht. „Mein Mann hat mehr als einmal gemessen, ob die Werke mit ihrer Höhe von 2,70 Metern in die Altbaugalerie passen“, sagte sie. Denn auf die Arbeiten verzichten wollten sie keinesfalls – aus gutem Grund. Könnte man doch geneigt sein, ihre Bilder als eine Hommage an den Buntstift zu bezeichnen. Egal, wohin der Blick wandert, immer steht die Frage im Raum, wie sich mit einem Buntstift eine solche Wirkung erzielen lässt. Fast fotorealistisch zeigen die Werke Alltagsszenen: Durch ein kleinteiliges Glasfenster fällt der Blick auf einen Fahrradfahrer, der bei verregnetem Wetter an der Scheibe vorbeifährt. Während Neuhaus bei den großformatigen Arbeiten noch das Motiv zusammensetzt, werden die Neueren flächiger und das Farbspiel der Nuancen noch intensiver. Schließlich abstrahiert sie diese bis zur völligen Auflösung.

Der 25-jährigen Jennifer Schulz geht es darum, das „Unsichtbare, sichtbar zu machen“, um die Abstufung einer Farbe. Sie selber sagt über ihre Arbeiten: „Meine Bilder sind ein Spiel der Striche. Durch den Kontakt von Kurven, Figuren und Struktur finden die Betrachter Rhythmus und Harmonie.“ Schulz verzichtet vollständig auf Gegenständlichkeit zugunsten eines Wechselspiels von Kontrasten, ungebundenen Formen und Farben.

Die Ausstellung in der Galerie, Düsseldorfer Straße 73, kann bis Donnerstag, 20. März, besucht werden. Die Künstlerinnen werden am morgigen Samstag, 15. März, von 14 bis 18 Uhr in der Galerie zu Besuch sein.






Rheinische Post,  27.11.2007

Ratingen

Der Experimentier-Künstler

VON MELANIE MEYER

Ratingen (RP) Die Galerie „art73“ zeigt Skulpturen und Tuschezeichnungen des Bildhauers Gerold Jäggle. Professor Martin Goppelsröder bezeichnete Jäggle als Kämpfer und Spieler der Farbe, Oberfläche und Form.

Von delikater Schönheit und barbarisch anregender Dialektik sind die Skulpturen und Tuschezeichnungen von Gerold Jäggle. Die Vernissage in der Galerie „art 73“ zeigt seit Samstag 48 Werke des Bildhauers. Zwei Serien farbiger Bronzen präsentiert das Galeristenehepaar Walburga und Peter von Guretzky-Cornitz seit Samstag in ihrer neuen Ausstellung. Die Einführung ins Werk übernahm Professor Martin Goppelsröder, Hochschullehrer für Kunst an der Universität Duisburg.

Der Künstler Gerold Jäggle wurde 1961 in Ertingen (Oberschwaben) geboren, wo er auch heute noch ein Atelier hat. Er studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart, arbeitete mit Professor Christoff Schellenberger in seiner Stuttgarter Werkstatt und wurde von 1997 an das Royal College of Art in London als Dozent berufen. Als Student lernte er das Ehepaar Guretzky-Cornitz kennen. „Das ist eine schöne Anekdote“, sagte Jäggle. Er suchte damals eine Wohnung und seine Vermieter von damals verfolgen seitdem den Werdegang des heute international bekannten Künstlers. Jäggle ist aber nicht nur Künstler, er ist in erster Linie Handwerker, und sein Atelier ist eine Werkstatt mit Kränen. Jäggles Atelier ist eine Gießerei. Das sei unüblich, denn die meisten seiner Kollegen würden ihre Formen zum Gießen weggeben, sagte er. Durch eine besondere Gusstechnik habe er Einfluss auf Farbe, Form und Oberfläche. Der Ursprung dieser Technik sei keltisch. So entstand die Idee der Form zu einer der gezeigten Serien in der „art73“, der „Lanzenfrau“. Die archaische Skulptur erinnert an eine Speer- oder Pfeilspitze. Die Oberflächen veränderte er durch das Experimentieren mit der Legierung. Die Optik der Bronzen reicht von wenig strukturierten Flächen, bis hin zu bimssteinartigen Gebilden. Das sei der Weg zum perfekten Guss, so Jäggle.

Seine Negativformen aus Stein benutze er zwei bis dreimal. Von Guss zu Guss verändere er die Legierung durch Zugabe von Magnesium, Zinn, Messing oder Silber und erhielte so drei völlig verschiedene Skulpturen, dessen Geheimnis die Spannung einer messerscharfen Klinge und einer weichen, weiblichen Form sei. Den verlorenen Bronzeguss wendet Jäggle bei der zweiten gezeigten Serie an. Auch hier steht die Weiblichkeit im Mittelpunkt. Bei dieser Figur fasziniert nicht allein der angedeutete Frauenkörper, sondern die Oberflächen mit ihrer einmaligen Farbigkeit.

Beeindruckt zeigten sich nicht nur die Gäste der Vernissage, sondern auch Professor Goppelsröder, der in seiner Rede sagte, dass die Werkschau ein schöner Anlass zum Staunen sei. „Ruhig, streng, sanft, von unten nach oben“, beschrieb er in seinen ersten Worten die Bronzen und bezeichnete Jäggle als Erfinder und Dichter, Kämpfer und Spieler, in dessen Werk der Zufall eine gewaltige Rolle spiele, die der Kämpfer besiegen wolle und das Experiment einem Spiel ähnele.













 

Hochkarätiges Künstlergespann in der Galerie „art 73“: Irene Rietdorf-Soutter und Professor Martin Goppelsröder teilen die gleichen Ansichten über Kunst. Für sie zählt vor allem das Hinschauen. RP-Foto: Achim Blazy

Rheinische Post, 28.8.2007

Ratingen

Melodischer Gleichklang

VON MELANIE MEYER

Hochkarätiges Künstlergespann in der Galerie „art 73“: Irene Rietdorf-Soutter und Professor Martin Goppelsröder teilen die gleichen Ansichten über Kunst. Für sie zählt vor allem das Hinschauen. RP-Foto: Achim Blazy

Ratingen (RP) Die Galerie art 73 zeigt Werke von Irene Rietdorf-Soutter und Martin Goppelsröder. Der bekannte Kunstprofessor und die Künstlerin zeigen Malerei und Skulpturen.

Hinschauen und besinnen, das ist die klare Aussage der Ausstellung in der Galerie Art 73. Die Vernissage am Samstagabend in der neuen Galerie auf der Düsseldorferstraße überzeugte nicht nur durch die bekannten Künstlernamen Irene Rietdorf-Soutter und Professor Martin Goppelsröder, sondern vor allem durch den melodischen Gleichklang der ungleichen Werke.

Der Name Goppelsröder ist in der Kunstwelt nicht unbekannt. Seit den 60er Jahren ist er in der Szene aktiv. Der heutige Professor studierte an der Hochschule für Bildende Künste in Kassel mit dem Schwerpunkt Malerei, Graphik, sowie Bühnenbild und Keramik und arbeitete unter anderem in seiner Ausbildungszeit in München und Paris.

Heute gilt er als „abstrakter Romantiker“ und hat seine ganz eigenen Ansichten darüber, was moderne Kunst ausmachen und vermitteln sollte: „Sie sind mir nicht böse, wenn ich etwas ungehalten bin, wenn ich über die junge Kunstszene spreche“, sagte er und führte aus, dass heute viele Künstler „spontan“ arbeiten würden. Zufälle würden das Werk vieler Kollegen bestimmen, doch das tatsächlich Künstlerische vermisse er. Nicht der Weg sei das Ziel. Es gehe vielmehr darum, eine Idee kreativ umzusetzen und den künstlerischen Prozess und die Mal- und Seherfahrung zu einem vollendeten Ergebnis zu bringen.

Chaot, der das Chaos nicht mag

Auch vom Betrachter fordert der Professor das Hinschauen, oder besser: „Sehen lernen“. Nicht fragen, sondern einzelne Arbeiten auf sich wirken zu lassen. Er selbst beschreibt sich als chaotischen Menschen, der aber das Chaos nicht leiden könne.

So versteht er auch seine Arbeit. Er ordnet sein persönliches Chaos auf der Leinwand, schafft klare farbige, aber auch fließende Übergänge. Ihn interessiert nicht die Struktur, sondern lediglich das Zusammenspiel von sanft kolorierten und ineinander fließenden Farbfeldern, die sich in der Wahrnehmung des Betrachters zu Landschaften zusammenfügen. Ebenso verfährt Goppelsröder mit den Titeln seiner Arbeiten. „Oft handelt es sich um Titel von Gedichten“, sagte er. Doch gehe es ihm nicht um eine bildliche Interpretation, sondern um eine Haltung. Der Betrachter kann diese Stimmung fühlen, die durch das Wechselspiel von Nah und Fern, Hell und Dunkel sowie Warm und Kalt erzeugt wird.

Diesen optischen Bann versprühen auch die Skulpturen und Objekte Rietdorf-Soutters. „Als wir uns kennenlernten, merkten wir schnell, dass wir ähnliche, fast gleiche Vorstellungen von Kunst haben“, so die Künstlerin über die ersten Begegnungen mit Goppelsröder. Linear und rundplastisch, standfest und dynamisch, schwerelos und kraftvoll, das sind die Attribute ihrer Arbeiten. Papier-, Metall- und Betonskulpturen stellt sie in der Art 73 aus.

„Ich möchte, dass sich der Interessierte darauf besinnt, richtig hinzuschauen“, erklärte die Künstlerin. Wahrhaft, Rietdorf-Soutter bringt den Betrachter zur Besinnung. Schon wenn man nur um Zentimeter den Blickwinkel verändert, geben ihre Skulpturen weitere Facetten der sehr strukturierten und architektonischen Objekte preis. Immer geht es dabei um Form und Aussage, aber auch um Licht und Schatten.













Walburga von Guretzky-Cornitz hat die Galerie „art 73“ eröffnet. Nur noch heute sind dort Werke von Rolf Hegetusch zu sehen. RP-Foto: Achim BlazyRheinische Post, 24.11.2006

Ratingen

Platz für kreative Nischen

VON MELANIE MEYER

 Walburga von Guretzky-Cornitz hat die Galerie „art 73“ eröffnet. Nur noch heute sind dort Werke von Rolf Hegetusch zu sehen. RP-Foto: Achim Blazy

Ratingen (RP) Vor einem Monat eröffnete die neue Galerie „art73“. Das Münchener Ehepaar Guretzky-Cornitz präsentiert moderne Malerei, Skulptur sowie Fotokunst und will mit Lesungen und Konzerten Kunstfreunde begeistern.

„Wir haben uns schon immer für Kunst interessiert“, sagt Walburga von Guretzky-Cornitz. Jedoch ist es viel mehr, was das Münchner Ehepaar von Guretzky-Cornitz dazu bewegte, vor einem Monat die Galerie „art73“ auf der Düsseldorfer Straße zu eröffnen. Die neue Ratinger Galerie widmet sich vielen modernen Kunstrichtugen und kombiniert bildende Kunst mit anspruchsvollen Lesungen und Konzerten.

„Wir kamen vor gut einem Jahr hierher nach Ratingen und haben dieses Haus gefunden“, erzählt die Münchenerin. „Die Räume hier unten standen leer und da haben wir das Wagnis versucht“, fährt sie fort. Die hohen, hellen Räume des Altbaus, mit seinen großen Fenstern, bieten sich gerade zu an für das Konzept der beiden Galeristen: „Wir versuchen einem interessierten Publikum ein breites Spektrum von Malerei, Skulptur und Fotographie vorzustellen und möchten die Ausstellungen durch Lesungen oder Konzerte rahmen. Wir wollen den Raum nutzen um eine kulturelle Nische zu füllen“, sagt von Guretzky-Cornitz.

„Unsere Erwartungen sind sehr realistisch. Wir wissen um die Schwierigkeiten einer klassischen Galerie“, so die Kunstfreundin. Und so haben sie und ihr Mann sich entschieden die Galerie nebenberuflich zu führen. „Ein liebevolles, aber ernsthaftes Hobby“, fügt sie an. Seit Ende Oktober präsentiert die „art73“ nun ihre erste Ausstellung mit Arbeiten des Künstlers Rolf Hegetusch.

20 Schichten Papier

 „Im süddeutschen Raum ist er sehr bekannt. Aufmerksam sind wir auf ihn bei einem Besuch einer Münchener Ausstellung geworden. Seine Werke haben uns direkt angesprochen. Und so hat er unsere Neugierde auf seine Arbeit geweckt und anschließend haben wir für unsere private Sammlung Arbeiten gekauft“, erzählt sie. Seine Bilder sind konsequent abstrakt. Er experimentiert mit Farbwerten, Pigmenten und einer besonderen Oberflächentechnik. Er verarbeitet bis zu 20 Schichten Papier übereinander und überzieht diese mit Parafin. So entsteht nach einem aufwändigen Schaffensprozess eine glatte Optik mit einem einheitlichen Farbwert, der zu den Rändern hin ausfranst. Die Finissage ist am heutigen Freitag. Die nächste Schau ist schon geplant: „Wir zeigen als nächstes Acrylmalerei und Radiertechniken von Thomas Mack. Im Rahmen dieser Ausstellung werden wir auch das erste Mal eine Musikdarbietung präsentieren – die A-Capella-Gruppe Achtklang. So kann man Musik und Kunst in einer spannenden Verbindung genießen.“